Bedeutung des Lesens

Leseförderung im Kleinkindalter erleichtert dem Kind später das Erlernen des Lesens. Ein Kind, dem schon früh Freude an der Sprache vermittelt wurde, wird in der Regel auch leichter und schneller Zugang zum gedruckten Wort finden.

 

Leseinteressen werden geweckt…

 

  • durch das Vorbild der Eltern: Kinder erleben, dass Bücher auch im Leben ihrer Eltern eine Rolle spielen
  • durch das Interesse der Eltern an der Lektüre ihrer Kinder: Eltern lesen aus Kinderbüchern vor und sprechen danach über den Inhalt mit ihrem Kind
  • durch regelmäßige Möglichkeiten zum Lesen: jene Zeit des Tages, in der das Kind sich entspannen soll, ist zum Lesen, Vorlesen und Erzählen besonders geeignet

 

Warum brauchen Kinder Bücher?

 

Kinderbücher (Bilderbücher) regen das Denken an. Dies ist etwa dann der Fall, wenn Bilder und Texte so gestaltet sind, dass Kinder dazu angeregt werden, genau zu beobachten, zu vergleichen, zu unterscheiden, Neues kennenzulernen und es sich zu merken.

 

Kinderbücher fördern die Sprachentwicklung

 

Die frühen Lallspiele des Säuglings schaffen schon die ersten Voraussetzungen für den Spracherwerb – im Laufe des zweiten Lebensjahres wird das Kind sehr erfinderisch im Schaffen von Laut- und Wortkombinationen. Hier beginnt der schöpferische Umgang mit der Sprache: Abgebildete Tiere oder Gegenstände werden benannt – dadurch lernt das Kind, Ding, Begriff und Wort miteinander zu verknüpfen. Bald kann es auch einfache Sachverhalte erkennen und benennen. Dazu ist aber die Anregung durch den Zuhörer oder Mit-Erzähler notwendig. Ein Kind, das mit seinen Bilderbüchern immer allein gelassen wird, erhält diese Anregungen nicht.
Auch im dritten und vierten Lebensjahr sind textlose Bildgeschichten wichtig:
In mehreren aufeinanderfolgenden Bildern wird ein Handlungszusammenhang erkannt und diesem auch sprachlicher Ausdruck verliehen.

 

Kinderbücher bieten Modelle für soziales Verhalten

 

Das Hineinwachsen in eine Welt der Gebote und Verbote ist für Kinder schwierig. Ihre Bedürfnisse, Wünsche und Interessen stehen oft nicht im Einklang mit den Forderungen der Umwelt. Die Art und Weise, wie Eltern und Erzieher auf unerwünschte Verhaltensweisen der Kinder reagieren, beeinflusst sehr wesentlich die Entwicklung der kindlichen Persönlichkeit.

Zeitgemäß orientierte Autorinnen und Autoren bemühen sich, die Probleme der Kinder aufzuzeigen, wie etwa kindliche Angst, die Gefühle des Außenseitertums, körperliche Gebrechen oder unerfüllte Wünsche nach Anerkennung durch die Erwachsenen.

Durch solche Darstellungen sollen Kinder und Erwachsene ermuntert werden, persönliche Probleme zu klären, Konflikte auszusprechen, eigenes Verhalten durch Einsicht zu ändern und Verständnis für gegenseitige Anliegen zu entwickeln.

Bücher sollen mitmenschliche Beziehungen und gesellschaftliche Probleme nicht als gegeben, sondern als veränderbar zeigen. 

 

Kinderbücher sprechen das Gefühlsleben an

 

Die Entwicklung der Fähigkeit zur Identifikation zählt zu jenen wichtigen Lernprozessen, die in den ersten Lebensjahren des Kindes eine besondere Rolle spielen. Schmerz und Freude anderer zu empfinden, ist eine besondere menschliche Fähigkeit – es ist wichtig, dass Kinder darin bestärkt werden, sich einzufühlen und sich in anderen wiederzufinden.

Kniereiterspiele, Fingerspiele und erste einfache Reime vermitteln Kindern schon früh Liebe und Geborgenheit und fördern die Ansprechbarkeit der Gefühle. Später sind es dann Geschichten, Märchen, Gedichte und Bilder, die eigene Gefühle ansprechen, Stimmungen hervorrufen und aufnahmebereit für die Gefühle der dargestellten Figuren machen.

 

Kinderbücher unterstützen das Verständnis für Werte

 

Die ersten Erfahrungen darüber, was in der Gesellschaft als „gut“ und „böse“ gilt, erwirbt das Kind von seinen Bezugspersonen. Auch in Bilderbüchern, Märchen und Versen werden Werte angeboten, die mit bestimmten Idealen und Weltanschauungen verbunden sind.

 

Zu diesen gehören z.B.

 

  • das Recht auf Anerkennung der eigenen Individualität
  • das Recht auf Freiheit
  • die Achtung vor anderen Menschen
  • die Verteidigung der Gerechtigkeit und
  • des friedlichen Miteinanderlebens

 

aber auch

 

  • die willkürliche Machtausübung
  • die Bekräftigung von Vorurteilen u. a.

 

Welche dieser angebotenen Werte von Kindern anerkannt oder abgelehnt werden, hängt wesentlich von der Umgebung ab, in der sie aufwachsen. Man nimmt an, dass Kinderliteratur einen Beitrag dazu leisten kann, gewohnte Wertvorstellungen zu bekräftigen oder in Frage zu stellen.

 

Kinderbücher beeinflussen die Entwicklung kreativer Fähigkeiten

 

Bilderbücher, Märchen und Verse können Anregungen für Spiele und Experimente geben, durch die die Fantasie, das schöpferische Denken und die Gestaltungsfreude der Kinder in Gang gesetzt werden. Von Bildern und Texten gehen auch Impulse aus, sich manches vorzustellen, was es in Wirklichkeit (noch) nicht gibt.

Bei diesem Prozess spielt die Erziehungshaltung der Erwachsenen eine wichtige Rolle:

Kinder, die dazu ermuntert werden, ihre Gefühle und Gedanken auszudrücken, ihre eigenen Meinung zu äußern, haben günstige Voraussetzungen, Anregungen aus Büchern aufzunehmen und ihre Eindrücke in Zeichnungen, Erzählungen, Erfindungen, plastischen Gebilden oder in Rollenspielen zu verarbeiten.

 

Kinderbücher unterstützen die Lernfreude

 

Viele Eltern und Erzieher klagen heute über die geringe Lernbereitschaft ihrer Kinder. Unkonzentriertheit, Desinteresse, Nervosität und Zerfahrenheit werden vor allem durch die Schnelllebigkeit, durch die Fülle an Reizen und Informationen, die heute auf unsere Kinder einwirken, begünstigt. Gute Kinderbücher knüpfen mit ihren Darstellungen an das Erleben der Kinder an und stellen die Welt aus deren Sicht dar. Auf diese Weise tragen sie wesentlich zur Befriedigung der kindlichen Neugierde bei und halten das Bedürfnis, die Welt zu erforschen, in Gang.

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"Bücher lesen heißt, wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben, über die Sterne"

 

(Jean Paul)

 

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